Aristides von Athen ueber die Christen oder den Maßstab christlichen Glaubens
Vier Gattungen der Menschheit bezüglich ihrer Religion - Aus der Apologie des Aristides von Athen
Aristides war der Auffassung, dass es
"auf der Welt vier Gattungen von Menschen gibt: Barbaren und Griechen, Juden und Christen" (II, 2). Eine anderen Überlieferung bietet eine Dreiteilung: Heiden (Chaldäer, Griechen und Ägypter), Juden und Christen.
Aristides über Jesus Christus (II, 6-8)
"6. Die Christen nun leiten ihre Abkunft von Jesus Christus her. Dieser wird der Sohn des höchsten Gottes genannt, und es heißt [von ihm], dass er [als] Gott vom Himmel niederstieg und von einer hebräischen Jungfrau Fleisch nahm und anzog, und [dass so] in einer Menschentochter der Sohn Gottes Wohnung nahm. Dies wird gelehrt von dem Evangelium, das - so heißt es bei ihnen - [erst] vor kurzem gepredigt worden ist, [und] dessen Sinn auch Ihr, wenn Ihr darin leset, erfassen werdet. 8. Dieser Jesus also entstammt dem Geschlechte der Hebräer. Er hatte aber zwölf Jünger, damit sein wunderbares Heilswerk vollendet würde. Derselbe wurde von den Juden durchbohrt [und starb und wurde begraben], und es heißt [von ihm], dass er nach drei Tagen wieder auflebte und in den Himmel erhoben wurde. Und dann zogen diese zwölf Jünger aus in die bekannten Gegenden der Welt und lehrten seine Majestät in aller Milde und Ehrbarkeit. Deshalb werden auch diejenigen, die heute an jene Predigt glauben, Christen genannt, wie sie allbekannt sind."
Aristides über christliche Maßstäbe (XV.)
1. Die Christen aber, o Kaiser, haben umhersuchend die Wahrheit gefunden und stehen, wie wir ihren Schriften entnommen haben, der Wahrheit und genauen Erkenntnis näher als die übrigen Völker. 2. Denn sie kennen Gott und glauben an ihn als den Schöpfer und Werkmeister des Alls, durch den alles und von dem alles ist, der keinen andern Gott neben sich hat, 3. von dem sie die Gebote empfingen, die sie in ihren Sinn eingezeichnet haben und beobachten in der Hoffnung und Erwartung der künftigen Welt.
4. Deshalb treiben sie nicht Ehebruch und Unzucht, legen kein falsches Zeugnis ab, unterschlagen kein hinterlegtes Gut, begehren nicht, was nicht ihr eigen, ehren Vater und Mutter, erweisen ihrem Nächsten Gutes und richten, wenn Richter, nach Gerechtigkeit. 5. Götzen in Menschengestalt beten sie nicht an, und was sie nicht wollen, dass ihnen andere tun, das tun sie auch niemand. Von der Götzenopferspeisen essen sie nicht, denn sie sind rein. Denen, die sie kränken, reden sie zu und machen sie sich zu Freunden; den Feinden spenden sie eifrig Wohltaten.
6. Ihre Frauen, o Kaiser, sind rein wie Jungfrauen, und ihre Töchter sittsam. Ihre Männer enthalten sich jedes ungesetzlichen Verkehrs und aller Unlauterkeit in der Hoffnung auf die in der andern Welt winkende Vergeltung. Die Sklaven aber und Sklavinnen oder die Kinder, die deren einzelne haben mögen, bereden sie aus Liebe zu ihnen, Christen zu werden; und sind sie es geworden, so nennen sie dieselben ohne Unterschied Brüder. 7. Die fremden Götter beten sie nicht an. Sie wandeln in aller Demut und Freundlichkeit. Lüge wird bei ihnen nicht gefunden, Sie lieben einander. Die Witwen missachten sie nicht; die Waise befreien sie von dem, der sie misshandelt. Wer hat, gibt neidlos dem, der nicht hat. Wenn sie einen Fremdling erblicken, führen sie ihn unter Dach und freuen sich über ihn, wie über einen wirklichen Bruder. Denn sie nennen sich nicht Brüder dem Leibe nach, sondern [Bruder] im Geiste und in Gott. 8. Wenn aber einer von ihren Armen aus der Welt scheidet und ihn irgendeiner von ihnen sieht, so sorgt er nach Vermögen für sein Begräbnis. Und hören sie, dass einer von ihnen wegen des Namens ihres Christus gefangen oder bedrängt ist, so sorgen alle für seinen Bedarf und befreien ihn, wo möglich. 9. Und ist unter ihnen irgendein Armer oder Dürftiger, und sie haben keinen überflüssigen Bedarf, so fasten sie zwei bis drei Tage, damit sie den Dürftigen ihren Bedarf an Nahrung decken.
Die Gebote ihres Christus halten sie [gar] gewissenhaft, indem sie rechtschaffen und ehrbar leben, so wie der Herr ihr Gott ihnen befohlen. 10. Alle Morgen und zu allen Stunden preisen und loben sie Gott ob der ihnen gespendeten Wohltaten und danken ihm für Speise und Trank. 11. Und wenn ein Gerechter von ihnen aus der Welt scheidet, so freuen sie sich und danken Gott und geben seiner Leiche das Geleite, gleich als zöge er [nur] von einem Ort zum andern. Und wenn einem von ihnen ein Kind geboren worden, so preisen sie Gott; und sollte es dann [schon] in seiner Kindheit sterben, so preisen sie Gott überaus, ist es doch ohne Sünde aus der Welt geschieden. Müssen sie hinwiederum sehen, wie einer von ihnen in seiner Gottlosigkeit und seinen Sünden stirbt, so weinen sie über diesen bitterlich und seufzen, soll er ja zur Strafe hingehen. 12. Das, o Kaiser, ist das Gebot des Gesetzes der Christen und ihre Lebensführung."
Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 12 - "Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten - Aus dem Griechischen und Lateinischen übersetzt - I. Band - 1913 Kempten & München"
Drucken 06.04.2007. 14:33
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