Liegen Ordinationen in der NAK keine geistlichen Berufungen zugrunde?
Ein Interview von „Christ im Dialog“ mit Evangelist Andreas Hebestreit (Evangelist der Gemeinde Herten, Bezirk Recklinghausen) am 28. Juli 2007
Im Laufe des Interviews kommt Evangelist Hebestreit zu folgender Aussage:
„Wir bewegen uns ja bei Personalentscheidungen in einem rein administrativen Bereich, der mit Seelsorge, Wortverkündigung und dem Wirken des Heiligen Geistes herzlich wenig zu tun hat. Hier muss man einfach konstatieren, dass in diesem
Bereich Fehler gemacht werden können, und das da auch Fehler passieren. Das soll nicht heißen, dass ich die Personalentscheidungen, die für Herten getroffen wurden, für falsch halte. Ich gebe aber zu bedenken, dass die getroffene Entscheidung nicht per definitionem zwingend richtig sein muss. Die weitere Entwicklung wird es letztlich zeigen.“
Die Neuapostolische Kirche wird vom Heiligen Geist regiert
So zumindest kann man es den Worten des Katechismus entnehmen. Eine beängstigende Aussage trifft nun ein Geistlicher, bedenkt man, dass die offizielle Lehre der NAK anders lautet.
In „Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben“ (Ausgabe 1992) heißt es:
„Frage 167: Wer ist die Neuapostolische Kirche?
Die Neuapostolische Kirche ist die Kirche Jesu Christi, gleich den apostolischen Gemeinden zur Zeit der ersten Apostel. Als das wiederaufgerichtete Erlösungswerk des Herrn wird sie vom Heiligen Geist regiert.“
„Frage 173: Was ist ein Amt?
Allgemein ist ein Amt ein Dienst, der auftragsgemäß getan wird. Ein geistliches Amt ist ein Dienst durch göttliche Beauftragung und wird in der Kraft des Heiligen Geistes ausgeübt.“
„Frage 176: Wie werden Männer in ein bestimmtes Amt eingesetzt?
Ist jemand gemäß vorliegender göttlicher Zeugnisse vom Apostel unter Hinzuziehung verantwortlicher Amtsbrüder zu einem Amt erwählt, so wird er vom Apostel unter Auflegung der Hände und unter Gebet in das entsprechende Amt eingesetzt.“
„Frage: Welche Bedeutung haben die Geistesgaben in der Neuapostolischen Kirche?
Wie in den Gemeinden der urchristlichen Zeit wirken die Geistesgaben auch in der Neuapostolischen Kirche und sind dem Apostelamt untergeordnet."
Mit diesen Aussagen im Katechismus der NAK bleibt dem Leser, wenn er Wahrhaftigkeit unterstellen darf, kein Zweifel daran, dass diese Kirche vom Heiligen Geist regiert wird.
Wird die Neuapostolische Kirche vom Heiligen Geist regiert?
Den Aussagen des Evangelisten zufolge scheint die Praxis eine andere zu sein. Bei genauerem Hinschauen bestärkt sich diese Meinung aus eigenen Erfahrungen und wer darüber nachdenkt, wird bemerken, dass er auf präzise Fragen bezüglich der Zeichen und geistlichen Hinweise vor einer Ordination, keine zufriedenstellenden Antworten erhält.
Ein Auszug aus dem „Handbuch für Vorsteher“ NAK NRW
4.2.7.10.2
Nachwuchs von Amtsträgern, Pflege der Amtsträger
Nachwuchs
Die Bezirksämter sollten gezielt Nachwuchs suchen, sich von den Vorstehern helfen lassen. Wir brauchen überall Nachwuchs. Frage: Warum nicht der? Keinen zu hohen Anspruch entwickeln!
Diakon
Ordination ab 18 Jahre möglich. Natürlich wollen wir ihnen auch im Beruf nicht im Wege stehen. Aber wir wollen sie für das Werk des Herrn gewinnen und ihnen eine Aufgabe geben.
Zukünftige Priester:
Wenn vorgesehen ist, das Priesteramt bekleiden, sollte der Bischof oder in Abstimmung mit ihm ein Bezirksamt ihn vorher zum Mitdienen heranziehen. Es gibt Brüder, die z. B. nicht strukturiert reden können. Für einen Priester mit solchen Schwierigkeiten wird das oft belastend. Man muss den Eindruck haben: "Der wächst da hinein, der kann das schon schaffen." Denn die Geschwister sind heute anspruchsvoll. Es ist schon schwierig, bei Gottesdiensten, ohne Höhepunkte und ohne dass etwas herüber kommt, zuzuhören und etwas mitzunehmen.
Bisher haben wir darauf geachtet, dass ein Priester auch verheiratet sein muss. Wir kommen in letzter Zeit aus Not davon ab, aber schöner wäre es dennoch. Denn bei der Familienpflege ist es sonst sehr theoretisch, wenn sie nicht selbst eine Familie haben. Ausnahmen sind aber möglich.
Ordination
Bei jeder Amtsstufe bitte vorher den Betreffenden (und Ehefrau) fragen ... direkt fragen: Wir haben den Gedanken, dich in dieses oder jenes Amt zu stellen, gibt es dafür irgendwelche Hinderungsgründe? Weiter: Trägt das deine Frau mit? Wenn nein, dann Gespräch mit seiner Frau ...
Wie war das in den katholisch-apostolischen Gemeinden?
Mir liegt ein handschriftliches Dokument einer Berufung ins Priesteramt vor, das anlässlich eines
„Dienstes der Anbietung und Widmung zum heiligen Amte“ entstand. In der Liturgie der Apostel ist zu lesen:
„Dieser Dienst ist verordnet, um Gelegenheit zu geben, zunächst dass der HErr durch einen Propheten Männer zum Priestertum berufen möge, dann auch im allgemeinen zur feierlichen Anbietung und Widmung aller, die in irgend einem Amte zu dienen wünschen.“
(Die Liturgie und andere Gottesdienste der Kirche – Zweiter Teil – Augsburg 1967 – Druck: J. P. Himmer KG - Seite 36 ff.)
Die Worte der Berufung ins Amt wurden mitprotokolliert und vom Engel der Gemeinde unterzeichnet.
Das vorliegende Dokument protokolliert einen Dienst der Anbietung in Petrowitschi/Russland am 21. September 1897. Der Priester-Prophet C. S. aus L. sprach zum Diakon F. E. aus P. folgende Worte:
“Du hast das Herz deines Erlösers erfreut, Er hat dich in Sein Herz geschlossen: O dass du die Liebe deines Erlösers empfändest. Er wird dich führen von Kraft zu Kraft, von Erkenntnis zu Erkenntnis, von Klarheit zu Klarheit. Du wirst ein helles Licht sein in der hand des HErrn. Er ruft dich bei Namen: F. E., du wirst Sein Priester sein und wirst mit Ihm ewiglich leben.“
Unterzeichnet ist dieses Berufungsdokument vom beauftragte Engel der Gemeinde.
Das war das Vorbild der Apostel – wie ist es heute?
Folkmar Schiek, 31. Juli 2007
siehe Interview bei Christ im Dialog
Drucken 01.08.2007. 19:00
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