"Glaubensspaltung ist Gottesverrat" von Klaus Berger
„Glaubensspaltung ist Gottesverrat“ (Pattloch Verlag, München 2006), Buch des Heidelberger Theologieprofessors Klaus Berger - Eine Buchvorstellung von H. L.
Ökumene neu denken
Das Buch
"Glaubensspaltung ist Gottesverrat"
(Pattloch Verlag, München 2006) des Heidelberger Theologieprofessors
Klaus Berger
hat das Zeug, zu einem Standardwerk für alle ernsthaft an der Einheit der Kirche Christi Interessierten zu werden.
Berger, der selbst eine „ökumenische Existenz“ als gleichzeitiges Mitglied der evangelischen und der römisch-katholischen Kirchenabteilungen führt, versucht darin, Wege aus einer zerrissenen Christenheit zu weisen, die sich nicht in fruchtlosen amtskirchlichen Konferenzen einerseits und in einer nach dem Motto ‚Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb’ verfahrenden Allversöhnungs-Kuschel-Ökumene, in der ggf. auch für heidnische Götzenpriester und Atheisten noch Platz ist, andererseits erschöpfen. Seine Argumente sind so gut durchdacht und begründet, wie man es von einem Neutestamentler erwarten darf.
Bergers Buch beginnt mit einer Bestandsaufnahme
Er diagnostiziert mit dem Ende der Volkskirchen und der christlichen Prägung weiter Bevölkerungskreise zugleich ein Ende des Konfessionalismus; die wirklich bedeutenden Gräben verlaufen heute innerhalb der einzelnen Kirchenabteilungen. Sodann erläutert er den Titel des Buches:
„Glaubensspaltung ist Gottesverrat“. Denn
„der Skandal ist nicht nur die Spaltung, der größere Skandal ist, dass Christen sich quer durch alle Konfessionen damit abgefunden haben“. Wer die Kirche spaltet, spaltet gleichzeitig Gott, der nach dem Ersten Gebot doch Einer ist. Eine der häufigsten Ursachen für Kirchenspaltungen ortet Berger in der (Kirchen-) Politik. Er verwirft die These, dass die Spaltung in zahllose Denominationen doch eigentlich ein Segen, da Zeichen der Pluralität, sei und besteht darauf, dass die Kirche nicht nur ein diffuses, unsichtbares Gebilde sein darf – schon um ihrer Glaubwürdigkeit gegenüber Nichtchristen willen.
Einen Großteil des Werkes widmet Berger dem Versuch, die unterschiedlichen Denkwege und Frömmigkeiten der verschiedenen Konfessionen einander begreiflich zu machen, sie zu „übersetzen“, und gleichzeitig zu zeigen, dass es so viele und unüberwindliche Unterschiede nicht gibt. Gerade diese Stellen wird man mit Gewinn lesen können, wenn man denn bereit ist, die Enge der eigenen Konfession zu verlassen.
Im zweiten Teil des Buches zeigt Berger dann mögliche Wege und Hindernisse für die Einheit des Christentums auf
Dabei lässt er keines der ökumenischen Reizthemen aus: Abendmahlsgemeinschaft, Frauenordination, Amtsverständnis, Schrift und Tradition, Lehramt – wobei er sich immer wieder um eine nachvollziehbare Begründung seiner Position anhand des Neuen Testaments bemüht.
So widerspricht er z.B. der These, dass zur Eucharistie irgendwie ‚alle’ eingeladen seien, denn diese ist das Mahl der Einheit, welches nicht dazu dienen darf, die Spaltung des einen Leibes Christi zu konservieren. Ebenso verwirft er das Schlagwort der
„versöhnten Verschiedenheit“, soweit es darum geht, unter dieser Überschrift den Konfessionalismus zu bewahren und gleichzeitig eine virtuelle Einheit zu simulieren. Interessant ist auch eine Einlassung auf S. 196, die angesichts der fehlenden Einheit der Kirche implizit den Gedanken an ein Abendmahlsfasten nahelegt.
In Zeiten, in denen das Adjektiv „bibeltreu“ in manchen protestantischen Kreisen fast schon zu einem Fetisch geworden ist, der immer wieder neue Spaltungen produziert, lesen sich auch folgende Sätze (S. 252 f.) geradezu erfrischend:
„Und Ähnliches gilt […] für den immer noch verbreiteten Glauben, die Schriftgemäßheit sei das oberste Prinzip, die Schrift ‚melde’ sich oder setze sich von alleine durch. Ich bin seit 40 Jahren hauptberuflich Exeget. Aber durch mich meldet sich nicht die Schrift, sondern leider nur eine ganz bestimmte, nämlich meine Meinung. Nie und nimmer kann ich sie mit ‚der Schrift’ gleichsetzen. Die dreizehn neutestamentlichen Theologien machen schon an sich ein außerexegetisches Lehramt notwendig.“
Mögliche Wege zur Einheit
Mögliche Wege zur Einheit sieht Berger u.a. in einer erneuerten ‚Glaubenskultur’: im gemeinsamen Gebet (auch um die Einheit), in einer am Monastischen orientierten tiefen Spiritualität (mehr dazu auch in seinem Buch
"Kann man auch ohne Kirche glauben?"
, im Machen gemeinsamer, radikaler Erfahrungen (wie z.B. in Verfolgungssituationen) und in der Pflege der Volksfrömmigkeit.
Seine Argumente und Visionen sind vor allem etwas für – im besten Sinne des Wortes – glaubende Christen; weder verkopfte, weltverbessernde Agnostiker noch im Nirwana entschwundene Meditationsschwestern – beide ‚Typen’ gibt es wohl in allen Kirchenabteilungen – kommen auf ihre Kosten. Alles in diesem Buch dargelegte ist bedenkenswert, vieles fordert zur kritischen Nachfrage (etwa nach der Praktibilität) heraus, manches ruft Widerspruch hervor. Nichtsdestotrotz ist es eines der besten Bücher, die zur Ökumene in den letzten Jahren erschienen sind und das sich gleichzeitig vom ganzen, seit Jahrzehnten – auch mit zahlreichen Missbildungen – kultivierten und z.T. zum Selbstzweck gewordenen ökumenischen Apparat (ÖRK, ACK) fernhält.
Ökumene neu zu denken - auch für Christen der sog. "apostolischen Bewegung"
Bergers streitbare Schrift ist eine Aufforderung, Ökumene neu zu denken und stellt gerade deshalb auch für Christen aus der „apostolischen Bewegung“ eine Bereicherung dar, wo sich seit einigen Jahren, noch verstärkt durch Ereignisse in der NAK während der letzten Monate, die Frage danach neu stellt.
Weitere Verweise:
"Das Buch bei Amazon.de"
Rezension von
"Gerhard Besier"
und
"Heimo Schwilk"
in der "Welt"
"Diskussion zu Klaus Berger im Forum „Kreuzgang.org“"
"Berger zu seinem Buch in der „Tagespost“"
Drucken 27.01.2008. 11:07